Wenn man heute an klassische Musik aus Polen denkt, steht meist Frederic Chopin im Vordergrund, der nicht nur mit seiner wundervollen romantischen Musik, sondern auch durch seine patriotische Gesinnung für Aufsehen sorgte, obwohl er lange Zeit in Frankreich lebte. Neben Frederic Chopin, Stanislaw Moniuszko, Witold Lutoslawski und Krzysztof Penderecki gilt auch Karol Szymanowsky, mit dem sich dieser Artikel beschäftigen soll, als einer der wichtigsten polnischen Komponisten.

Geboren 1882 in der heutigen Ukraine, wuchs er dort in einer wohlhabenden und kunstbegeisterten polnischen Familie auf. So kam es, dass er im Alter von sieben Jahren den ersten Musikunterricht erhielt, zunächst bei seinem Vater, welcher Klavier und Cello spielte, später dann bei seiner Tante und schlussendlich bei dem legendären Musikpädagogen Heinrich Gustav Neuhaus. Ab dem Jahr 1901 begann sein Studium in Warschau, im Zuge dessen er gemeinsam mit dem Geiger Pavel Kochanski, dem Dirigenten Grzegorz Fitelberg und dem Pianisten Artur Rubinstein die Gruppe „Junges Polen“ gründete. Diese Musiker hatten es sich zum Ziel gemacht, die polnische Musik nach dem Tod von Chopin wieder auferstehen zu lassen.

Szymanowskis Werke sind von außerordentlicher Vielfalt geprägt, daher werden sie meist in drei Schaffensperioden gegliedert. 

Seine erste Schaffensperiode steht hauptsächlich unter dem Einfluss von Frederic Chopin und Alexander Skrjabin, ist zugleich aber auch von den Werken Richard Strauss und Max Regers geprägt. Letzterer hat mit seiner kontrapunktischen Kompositionsweise maßgeblich zur Entstehung von Szymanowskis erster Sinfonie beigetragen, die er selbst als „kontrapunktisch-harmonisches Monstrum“ bezeichnete.

In seiner zweiten Schaffensperiode widmete er sich zunehmend fremden Kulturen, insbesondere beschäftigte er sich mit mediterraner und islamischer Geschichte. Dabei unternahm er Reisen nach Italien, Sizilien und Nordafrika. Außerdem war er vom Schaffen der beiden Impressionisten Maurice Ravel und Claude Debussy beeindruckt. Seine Werke zeigen immer mehr die Entwicklung  seiner eigenen Klangsprache, die vor allem durch eine recht freie Harmonik, üppige Ornamentik und ausdrucksstarke Melodik geprägt ist.

Ende des ersten Weltkriegs wurde Polen wieder ein unabhängiger Staat. Davon begeistert, durchlebte Szymanowski eine Art „Renaissance“. Er kehrte zurück zu den Wurzeln der heimischen Musik, was besonders in den Mazurken für Klavier op. 50 zum Ausdruck kommt. Geplagt von finanziellen Sorgen entschloss er sich dazu, mehr Konzerte zu geben, wodurch auch die „Symphonie Concertante“ entstand. Den damit verbundenen vielen Reisen und dem erhöhten Stressaufkommen, was er konnte sein Körper jedoch nicht standhalten. Er starb bereits 1937, im Alter von 54 Jahren, an den Folgen von Knochentuberkulose.